Timer Events im Google Tag Manager messen

By 2. Dezember 2018Web Analyse

Die durchschnittliche Verweildauer auf einer Website ist eine nützliche Kennzahl für die Auswertung der Nutzerverhaltens und der Bewertung des Interesses an den Inhalten. In vielen Fällen ist die standardmäßige Erfassung der Sitzungsdauer jedoch nicht ausreichend, bzw. gehen Daten verloren, sodass eine Anpassung der Google Analytics Integration notwendig ist um zu aussagekräftigeren Daten zu gelangen.

Die Erfassung der Verweildauer in Google Analytics

Standardmäßig wird die Verweildauer in Google Analytics auf Basis von Interaktionen gemessen. Angenommen, ein Nutzer besucht eine Website um 10:00 und navigiert um 10:05 zur nächsten Seite innerhalb dieser Website, so wird die Verweildauer mit 5 Minuten, also der Differenz zwischen der ersten und der letzten Interaktion – registriert. Wenn dieser Nutzer nun weitere 5 Minuten auf der zweiten Seite verweilt, diese aber durch Schließen des Web Browsers oder der Eingabe einer anderen Domain wieder verlässt, so kann diese Zeit nicht erfasst werden. Die Sitzungsdauer wird weiterhin mit 5 Minuten erfasst, obwohl der Nutzer insgesamt 10 Minuten auf der Website verbracht hat.

Ein ähnliches Problem tritt auf, wenn ein Nutzer eine Website aufruft und diese ohne eine weitere Interaktion wieder verlässt. In diesem Fall beträgt die in Google Analytics ausgewiesene Sitzungsdauer 0 Sekunden und man spricht von einem Absprung. Vor allem Blogbetreiber kennen dieses Problem nur zu gut, denn es kommt nicht selten vor, dass jemand über einen Newsletter oder ein organisches Suchergebnis zu einem Blogartikel gelangt, diesen vielleicht sogar zur Gänze liest, aber durch das Fehlen einer zweiten Interaktion als Absprung erfasst wird.

Für die Lösung dieses Problems gibt es unterschiedliche Lösungen, wie zum Beispiel das Riveted Plugin von Rob Flaherty, das alle 5 Sekunden prüft, ob ein Nutzer noch aktiv ist und diese Information als Ereignisse an Google Analytics übergibt. Eine ähnliche Funktion kann auch direkt im Google Tag Manager mit Hilfe des „Timer-Triggers“ eingerichtet werden.

Der Timer-Trigger im Google Tag Manager

Der Time-Trigger ermöglicht eine genauere Erfassung der Verweildauer auf einer Website, indem in zuvor definierten Zeitintervallen Ereignisse an Google Analytics gesendet werden. Im Gegensatz zu dem zuvor erwähnten Plugin von Rob Flaherty müssen die Zeitintervalle manuell definiert werden. Die Datenerfassung kann in zwei Schritten erfolgen, wobei die Schritte für jedes Zeitintervall wiederholt werden müssen.

  1. Schritt: Timer Trigger erstellen

Im ersten Schritt müssen mehrere Timer-Trigger für die unterschiedlichen Zeitintervalle erstellt werden um einerseits die Verweildauer auf der Website gut abbilden zu können aber andererseits nicht zu viele Ereignisse zu generieren. In der Praxis wird daher oft auf 15 bis 30-Sekunden Intervalle zurückgegriffen.

Hierfür muss man im Google Tag Manager Konto einen neuen Trigger erstellen und aus der Auswahl die Option „Timer“ auswählen. Bei der Konfiguration des Triggers sind die Zeitintervalle als Millisekunden (30000 Millisekunden für ein 30 Sekunden Intervall) anzugeben.

Beim Limit wird ein Wert von 1 angegeben, da das Ereignis pro Intervall nur einmal ausgelöst werden soll. Es ist sinnvoll, den Trigger auf allen Seiten der Website auszulösen, was am einfachsten über den einen regulären Ausdruck definiert werden kann. Bei der letzten Auswahlmöglichkeit ist die Option „Alle Timer“ zu wählen.

Dier Schritt ist nun für alle gewünschten Timer-Intervalle zu wiederholen. Wie bereits erwähnt hat sich hier ein 30 Sekunden Intervall bewährt, wobei dieser ab einer gewissen Dauer auch erweitert werden kann.

Zeitintervalle für Timer-Trigger: 30, 60, 90, 180 & 360 Sekunden

  1. Schritt: Anlegen und Konfigurieren der Tags

Um die Daten an Google Analytics übermitteln zu können muss für jeden Zeitintervall ein eigener Tag mit Bezug auf den jeweils passenden Trigger erstellt werden. Hierfür muss der Universal Analytics Tag gewählt und als Ereignis konfiguriert werden:

  • Ereignis-Kategorie: Timer
  • Ereignis-Aktion: 30s
  • Treffer ohne Interaktion: Wahr/Falsch?

Ein wichtiger Punkt ist dabei die Frage, ob der Timer Event als Interaktion registriert und sich somit auch auf die Absprungrate auswirken soll. Standardmäßig ist er Wert bei „Treffer ohne Interaktion“ auf „Falsch“ gesetzt. Dies bedeutet, dass das Ereignis in Google Analytics als Interaktion erfasst wird und somit auch Auswirkungen auf die Absprungrate hat. Angenommen, ein Nutzer ruft einen Blogbeitrag auf und verweilt mehr als 30 Sekunden auf der Website. Wenn der Timer Event als Interaktion erfasst wird, kann Google Analytics die bisherige Verweildauer aus der Differenz zwischen der ersten und der zweiten Interaktion berechnen. Durch die Erfassung der zweiten Interaktion wird die Sitzung aber auch nicht mehr als Absprung gewertet, selbst wenn der Nutzer die Website nach 40 Sekunden wieder verlässt ohne eine weitere Seite aufgerufen zu haben.

Hierzu gibt es teilweise sehr unterschiedliche Meinungen und Ansichten. Einerseits klingt es logisch, dass Nutzer, die eine gewisse Zeit auf der Website verbracht haben nicht mehr als Absprung zu erfassen, da sie sich in dieser Zeit mit den Inhalten auseinandergesetzt haben können. Diese Art der Implementierung würde zu einer angepassten, bzw. berichtigten Absprungrate führen, bei der nur jene Sitzungen als Absprung gewertet werden, die weniger als 30 oder 60 Sekunden auf der Seite waren und eben keine zweite Interaktion (z.B. weiterer Seitenaufruf) ausgelöst haben.

Andererseits muss man auch bedenken, dass die Timer Lösung im Google Tag Manager nicht prüft ob der Nutzer sich auch tatsächlich mit den Inhalten auseinandergesetzt hat. Als Argument wird hier häufig das Beispiel von mehreren gleichzeitig geöffneten Tabs angeführt. Wenn die eigene Website in einem inaktiven Tab geöffnet wurde, wären sowohl die erfasste Verweildauer, als auch der Wegfall des Status eines Absprungs inkorrekt.

Alternativen zum Timer-Trigger

Alternativ zum Timer-Trigger kann man natürlich auch auf externe Plugins oder Skripte zurückgreifen, die zum Teil auch prüfen ob der Tab im Web Browser wirklich aktiv ist und die Datenerfassung bei Inaktivität stoppen.

Riveted Plugin von Rob Flaherty – https://riveted.parsnip.io/

Content Engagement Skript von Simo Ahava – https://www.simoahava.com/analytics/track-content-engagement-via-gtm/

Engagement Timer von Lunametrics – https://github.com/lunametrics/engagement-timer

Auswertung in Google Analytics

Die über den Timer-Trigger erfassten Daten scheinen in Google Analytics in den Ereignis-Berichten unter der Rubrik „Verhalten“ auf. Wenn man nun auf die Ereigniskategorie „Timer“ klickt, gelangt man zu den Werten für die zuvor definierten Zeitintervalle.

Fazit

Die Messung der Timer Events über Google Tag Manager kann schnell und einfach umgesetzt werden und ermöglicht eine genauere Berechnung der Verweildauer. Die Ereignisse können zudem auch für die Erstellung erweiterter Segmente verwendet werden, was interessante Einblicke in das Nutzerverhalten ermöglicht.

Christoph Hoffinger

Christoph Hoffinger beschäftigt sich seit 10 Jahren mit Online Marketing. Der erste Kontakt entstand durch die Teilnahme an der Google Online Marketing Challenge im Zuge des Master Studiums. Nach diversen Tätigkeiten im Bereich Online Marketing erfolgte 2011 die Gründung einer auf Performance Marketing spezialisierten Agentur.

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